Es ging los am Montag, den 9. August 1999. Ich fuhr mit Elisabeth um ca. 10.00 in Innsbruck bei strahlendem Sonnenschein und tiefblauem Himmel los. Von dort ging es zuerst in Richtung Gasthof Badl, wo wir Andreas trafen, der von seinem Vater dorthin chauffiert worden war. Nachdem wir dann Andreas und seine Ausrüstung eingeladen hatten, ging es weiter nach Absam, wo Andreas dann ein weiteres Mal umstieg und seine Ausrüstung umlud - diesmal in Harry’s Auto.
Um 10.30 war es dann endlich so weit: Unser aus zwei Kombis bestehender Konvoi brach auf in Richtung Burgenland - begleitet von den Klängen von Electric Light Orchestra's "Out Of The Blue"!
Es war ein heißer Sommertag - nicht gerade das, was man sich für eine mehrstündige Autofahrt wünschen würde, aber eben genau das, was unser ewiglich allgegenwärtiger Kollege Murphy für uns vorgesehen hatte.
Nach zweieinhalb Stunden Fahrt in brütender Hitze kam dann die willkommene und fast schon obligatorische Rast beim Mondsee, von wo wir fast genau eine Stunde später - um ca. 14.00 - wieder gen Osten aufbrachen.
Je weiter wir in diese Richtung fuhren, desto unerträglicher wurde die Hitze - die Luft war so dick, daß einem das Atmen schwerfiel, und so machten wir nach insgesamt 470km eine weitere Rast um ca. 16.30 bei der Autobahnraststätte Alland im Raum Wien.
Nach weiteren 100km hatten wir es dann geschafft: um 18.15 fuhren wir beim Gasthaus Fürst in Aschau vor.
Nachdem wir uns bei Unmengen gespritzten Apfelsaftes wieder einigermaßen erfrischt hatten, gingen wir um ca. 19.30 daran, die Gegend zu erkunden und einen geeigneten Beobachtungsplatz für das große Ereignis ausfindig zu machen. Wir folgten dabei einem Vorschlag von Herrn Fürst, dem Gastwirt, der uns einen Berg (nun, zumindest für burgenländische Verhältnisse) ca. südlich des Gasthauses empfohlen hatte, der über eine schmale, aber asphaltierte Straße nach nur zehn Minuten Fußmarsch bequem erreichbar war.
Wie spätere, weitläufigere Erkundungsfahrten zeigen sollten, war dieser Hügel - zumindest aus topographischer Sicht - so ziemlich die beste Wahl für unsere Beobachtung. Die Umgebung bestand im wesentlichen aus Äckern, unterbrochen von einigen kleinen Waldflecken.
Den höchsten Punkt des Kreuzberges (so heißt dieser Hügel) bildete eine „Wasserstube“ (die wir zunächst noch für einen Weinkeller gehalten hatten) direkt neben der Straße, deren Eingangstüre in einen fünf oder sechs Meter hohen, grasbewachsenen Erdhügel gebaut war. Sollten wir den Kreuzberg für unsere Beobachtung wählen, kamen zwei Aufstellungsplätze in Frage: Einmal dieser Grashügel, von dem aus man die beste Rundumsicht hatte. Der Preis für diesen Vorteil bestand in dem weichen Untergrund, bei dem ich befürchtete, daß er keine genügend stabile Aufstellung der Beobachtungsgeräte erlaubte.
Als Alternative bot sich noch ein Aufstellungsort direkt an der asphaltierten Straße an, die den nötigen festen Untergrund lieferte. Leider versperrte der angrenzende Wald in westlich davon die direkte Sicht in diese Richtung. Auch war die Straße nicht gerade überbreit, was bei eventuell vorbeifahrenden Autos problematisch werden konnte.
Aber wir hatten ja noch einen ganzen weiteren Tag Zeit, die Gegend weiter zu erkunden und vielleicht noch einen besseren Ort zu finden. Für diesen Tag hatten wir nach fast achtstündiger Autofahrt bei brütender Hitze genug geleistet und gingen nach einem so reichlichen wie vorzüglichen Abendessen zu Bett.
Ich teilte ein wahrlich fürstliches Zimmer (eher schon ein ganzes Appartement mit Vorraum, Bad, Riesenwohnzimmer und Sonnenterrasse) mit Elisabeth und Andreas, während Harry und Birgit zwei Türen weiter in einem Doppelbettzimmer schliefen.
Ausgeruht erwachten wir am 10. August. Noch ein Tag bis zum großen Ereignis - ein vorsichtiger Blick aus dem Fenster verhieß nichts Gutes: Es war ziemlich stark bewölkt und angesichts der heißen und schwülen vergangenen Tage war es nur mehr eine Frage der Zeit, bis sich all die angestaute Hitze in einem Gewitter entladen würde. Die Frage, die die Welt in diesem Augenblick bewegte, lautete nur: würde das Gewitter noch früh genug kommen, so daß sich die Wolken lange genug abregnen können, um morgen um diese Zeit wieder verschwunden zu sein, oder aber würde unser geschätzter Kollege Murphy die Gesetze der Physik so verbiegen, daß die Wolken gerade so lange nicht zu Regentropfen auskondensieren konnten, bis das Schauspiel beginnen würde, um dann in ganzen Heerscharen auf uns herniederzuprasseln? Die Erfahrung der Vergangenheit ließ letzteres erwarten, doch der unermüdliche Optimismus (welcher ein entscheidendes Selektionskriterium in der Evolution der Spezies der Homo Astronomicus gewesen sein muß) ließ uns ersteres hoffen. 
Harry und Birgit waren an diesem Tag bereits recht früh aufgestanden und hatten alleine gefrühstückt, um die Zeit für eine Wanderung zu nützen. So machte ich mich mit Elisabeth und Andreas an ein ausgiebiges Frühstück. Um die Mittagszeit trafen Martin und Christine, die bereits ein paar Tage in Gumpoltskirchen verbracht hatten, bei uns ein. Martin hatte kurzfristig noch ein Einbettzimmer für eine Übernachtung beim Fürst bekommen, in das dann noch ein Notbett gebracht wurde. Zusammen mit Andreas zeigte ich Martin dann unseren potentiellen Beobachtungsstandort „Kreuzberg“. 
Elisabeth und Christine hatten sich ebenfalls entschlossen, einen Spaziergang zu machen, und so philosophierten wir drei Astronomen - bewaffnet mit Videokamera, zwei Kompassen und GPS-Gerät - über die Vor- und Nachteile der topographischen Gegebenheiten dieses Hügels.
Eine darauffolgende Erkundungsfahrt am Nachmittag im Umkreis von ca. 10km sollte zeigen, daß der Kreuzberg wohl der geeignetste Ort für die Aufstellung unserer Geräte war. Vor allem waren wir dort auch nicht weit von unserem Quartier entfernt, so daß es kein unüberwindliches Hindernis darstellen sollte, sollte man etwas im Zimmer vergessen haben oder plötzlich technische Probleme auftreten. Tatsächlich konnten wir aber auch keinen Ort ausfindig machen, der günstigere Sichtbedingungen geboten hätte, so daß an diesem Nachmittag die Entscheidung getroffen wurde, daß der zuerst entdeckte Beobachtungsort zugleich auch der beste sein sollte.
Nach dieser Erkundungsfahrt kam zum ersten Mal die gesamte Truppe zusammen: Harry und Birgit sowie Elisabeth und Christine waren mittlerweile von ihrer Wanderung zurückgekehrt und endlich war es dann so weit: Ein ansehnliches Gewitter bereitete der tagelangen Schwüle ein jähes Ende. Es begann in Strömen zu gießen, was die Aussichten auf schönes Wetter am nächsten Tag wieder etwas realistischer machte.
Nachdem es aufgehört hatte zu regnen, machten wir uns am frühen Abend alle auf den Weg zum Abendessen in einem Gasthaus ein paar hundert Meter die Hauptstraße hinunter. Der Himmel war nach wie vor von grauen Wolken verhangen und die Hoffnung, daß es noch rechtzeitig aufreißen würde, schwand von Minute zu Minute.
Das Abendessen - und vor allem die Nachspeise - wurde mittels dreier Videokameras gründlichst aus drei Perspektiven zur selben Zeit dokumentiert, was den Eindruck erwecken könnte, dieses Essen wäre unser intensivstes Erlebnis in diesem Kurzurlaub gewesen. 
Noch während des Essens und auch danach rannten wir abwechselnd alle paar Minuten aus dem Gasthaus, um uns über den aktuellen Stand der Wetterentwicklung zu informieren - und siehe da - kurz nach Sonnenuntergang lockerte die Wolkendecke tatsächlich auf - aber wie weit würde es wohl bis morgen mittag aufklaren...?
22.45: Das „große Abenteuer“ ging los. Da Harry und ich vorhatten, einen Zeitrafferfilm der Sonnenfinsternis zu machen, war klar, daß ein ruckfreies Bild nur bei perfekter Einnordung gewährleistet werden konnte, da sich eventuelle Nachführkorrekturen bei nicht eingenordeter Montierung als Sprünge der Sonnenscheibe am Bildschirm ausgewirkt hätten. Da aber eine genaue Einnordung wiederum nur Nachts möglich ist - entweder nach der Scheiner-Methode oder mittels Polsucher und Polarstern - war ebenfalls klar, daß die Geräte spätestens in der der Sofi vorangehenden Nacht aufgebaut werden mußten. Und da ich mich keinesfalls getraut hätte, die Geräte am Kreuzberg einfach alleine stehen zu lassen, war auch klar, daß jemand bei der Ausrüstung am Kreuzberg übernachten mußte. Zu diesem Zweck hatte ich Liege und Schlafsack mitgenommen.
Martin war bereits vorausgefahren, um mir dann ein wenig beim Aufbauen zu helfen, Andreas und Harry kamen bald darauf nach. Schließlich verließen mich dann aber alle ca. gegen Mitternacht, um sich auszuschlafen.
Ich hatte mich dafür entschieden, meine Beobachtungsstation neben der Straße aufzubauen, da die Wiese am Hügel in puncto Fester Untergrund durch die Regenfälle am Nachmittag einen noch weniger vertrauenerweckenden Eindruck machte als am Vortag. Mittlerweile hatte der Himmel zu etwa 50% aufgeklart. Es war ziemlich dunkel und die Luft war erstaunlich ruhig. Es wären sogar Deep Sky-Beobachtungen möglich gewesen, doch daran war im Augenblick nicht zu denken: Die Superpolaris-Montierung mußte eingenordet werden, mein 8“-Newton sowie mein 12,5"-Dobson "Galilea" und der Comet Catcher mußten fokussiert, die beiden ersteren zuvor auch noch justiert werden. Dann mußten der Comet Catcher und das 200mm-Tele Objektiv an der Gegengewicht-Stange montiert und parallel zum Newton ausgerichtet werden. Alles in Allem ein nettes Stück Arbeit, das insgesamt fast genau vier Stunden in Anspruch nahm. Hinzu kamen noch ein Campingtisch als Ablage und ein Fotostativ, auf dem ich die Super 8-Kamera montierte, mit der ich einen zweiten Zeitrafferfilm im kleinen Maßstab zu drehen gedachte.

2:45: Nachdem ich noch eine Weile hin und her überlegt hatte, ob ich noch beobachten sollte, kroch ich nach getaner Arbeit in den Schlafsack, den ich zum Schutz gegen die Feuchtigkeit noch mit einem Biwak-Sack überzogen hatte. Zum Beobachten war ich doch schon zu müde, und ich wollte ja für das Erlebnis, von dem uns jetzt nur noch Stunden trennten, einigermaßen fit sein.
Es bestand auch kein Anlaß, die Verhältnisse jetzt noch übermäßig ausnützen zu wollen. Eigentlich war ich sogar hochzufrieden - Es hatte sich alles so gut entwickelt, wie man es sich nur erhoffen konnte: Es hatte früh genug geregnet, so daß es wider Erwarten doch noch aufklaren konnte. Der Regen hatte uns auch klare, transparente Luft beschert. Ich hatte offenbar kein Teil meiner Ausrüstung vergessen. Das Aufbauen, Einnorden und Justieren war ohne Probleme von Statten gegangen. Es war weder kalt noch besonders windig, so daß ich ruhig schlafen konnte - Astronomenherz, was begehrst du mehr?
Schließlich waren wir fast 600km gefahren. Wir hatten uns fast eine Woche lang auf dieses Ereignis vorbereitet - Literatur studiert, diverse Ausrüstungsgegenstände wie Sonnenfilter gebastelt, Drahtauslöser und einen Spannungswandler angeschafft, eine Montageschiene für die Kameras gefertigt, einen optimalen Beobachtungsort ausfindig gemacht... und nun hatte ich mir auch noch die halbe Nacht um die Ohren geschlagen, um mich perfekt auf den kommenden Tag vorzubereiten! So viel Aufwand, so viel Umstände mußten doch einfach belohnt werden - zumindest dachte ich irgend etwas in dieser Richtung, als ich mich um viertel vor drei Uhr morgens hingelegt hatte mit dem Gefühl, vor einem großen Erlebnis zu stehen, das nur darauf wartete, in allen Facetten, und auf fast jede erdenkliche Weise festgehalten zu werden. Diesmal würde uns das Pech nicht einholen! Oft genug schon hatten wir unsere Ausrüstung umsonst auf den Berg gekarrt, Zeit, Geld, Benzin und Nerven verschwendet, weil das Wetter mit geradezu sadistischer Regelmäßigkeit immer erst dann umschlug, nachdem alle Geräte aufgebaut waren. Aber nun sollte uns als Entschädigung für all die sinnlos durchwachten Nächte, für all die unnötigen und nicht immer ganz ungefährlichen Exkursionen ins Gebirge ein astronomisches Jahrtausendereignis vergönnt sein. Sogar der rationalste Logiker fängt in solchen Augenblicken an, einen unterschwelligen Aberglauben zu entwickeln - Plötzlich scheint es Sinn zu machen, daß der Wettergott uns Astronomen jahrein, jahraus zum Narren hält - er will uns nun zeigen, daß er auch ein Herz für uns Sternengucker hat, in dem er uns dieses grandiose Naturschauspiel ungestört beobachten läßt!
04.40: Ich erwachte, weil es plötzlich unangenehm windig geworden war. Irgendwie beschlich mich ein beklemmendes Gefühl. Als ich die Augen öffnete, erblickte über mir einen grauverhangenen Himmel. Es hatte bereits zu dämmern begonnen. „Es wird doch nicht...“ schoß es mir durch den Kopf, und dann hörte ich mehrere Klopfgeräusche. Es brauchte einige Sekunden, bis mir klar war, daß es dicke, schwere Regentropfen waren, die auf meinen Biwak-Sack klatschten. Im nächsten Moment war ich hellwach, sprang aus dem Schlafsack, riß den Kofferraumdeckel auf und verstaute hastig Galilea im Auto. Was aber mit der Superpolaris-Montierung anfangen? Wenn ich sie jetzt abbaute, wäre die ganze Arbeit des Aufbauens und Einnordens umsonst gewesen, denn eine Einnordung wäre wie bereits erwähnt bei Tage nicht möglich gewesen, selbst wenn es wieder aufgeklart hätte. Daher stülpte ich kurzerhand den Biwak-Sack über den ganzen Aufbau, brachte dann noch diverse weitere Gegenstände in Sicherheit und setzte mich zu guter letzt selbst ins Auto. Innerhalb von Minuten hatte es begonnen, in Strömen zu regnen.

Mit Bangen blickte ich aus dem Rückfenster auf mein eingemummtes Teleskop. Der Wind hatte ebenfalls aufgefrischt und fuhr immer wieder in stärkeren Böen in den Biwak-Sack. Wenn er mein Teleskop schon nicht umwerfen würde, so würde er es ganz sicher verrücken, womit nahezu sämtliche Arbeit dieser Nacht zunichte gemacht worden wäre.
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