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Kühnl Michael

Über mich …. oder gut Ding braucht Weile!

Wie, warum, oder was letztendlich der ausschlaggebende Grund dafür war, dass ich mich im zarten Alter von vierzehn Jahren der Astronomie zugewandt habe, kann ich heute leider nicht mehr sagen. Jedenfalls bekam ich mit fünfzehn den damals legendären 114mm - Quelle – Reflektor von meinen Eltern zu Weihnachten geschenkt.

Der legendäre, mittlerweile blau lackierte 4“ Newton von Revue

Bewaffnet mit dem Himmelsjahr (Kosmos) und der Standardsternenkarte von Hallwag, versuchte ich vorerst einmal die verschiedenen Sternbilder zu identifizieren. Ein Unterfangen, das sich ohne fremde Hilfe und ohne einen Größenvergleich am Himmel als recht einfach herausstellen sollte.

Hat man nach ca. einer Stunde endlich ein Sternbild erkannt oder glaubte es zu erkennen, ist das Einstellen eines, in der Sternkarte abgebildeten Objektes im Fernrohr nur noch Routinesache… - im wahrsten Sinne des Wortes -.

(Zu Beginn kann ich da den Mond nur wärmstens empfehlen, diesen sollte man aufgrund seiner Größe und seiner Helligkeit schon finden können.)

 

Jedenfalls ermöglichten mir meine Eltern nach Bewältigung der ersten astronomischen Hürden „Nachhilfestunden“ bei einem Professor der Astronomie. Diese Treffen habe ich aber bereits nach kurzer Zeit wieder abgebrochen, da für mich damals die ernüchternde Theorie nichts mit dem Abenteuer der nächtlichen Himmelsbeobachtung zu tun hatte. Heute, mehr als zwanzig Jahre später, denke ich manchmal an diesen damals ca. 80-jährigen Mann und sein enormes Wissen.

 

Sehr viele Lektüren später und mit sehr viel Übung lernte ich also den Nachthimmel immer besser kennen und war bald in der Lage auch schwierige Objekte in relativ kurzer Zeit mit dem Fernrohr aufzuspüren. Ab diesem Zeitpunkt bereitete mir das Beobachten so viel Spaß, dass ich bei Schönwetter an den Wochenenden regelmäßig erst dann zu Bett ging, wenn der Rest der Familie gerade aufstand.

Unter der Woche musste ich natürlich aufgrund der schulischen Verpflichtungen das Beobachten vor meinen Eltern geheim halten.

So saß ich dann völlig unbemerkt, in meinem nach Süden ausgerichteten Zimmer und durchmusterte bei geöffnetem Fenster den Himmel. Als störend stellte sich dabei immer nur die vorgegebene Fenstergröße heraus, da sich die interessanten Objekte immer dort befanden, wohin ich mit meinem Teleskop nicht sehen konnte.

 

Ein weiters Jahr später lernte ich durch einen gemeinsamen Freund die beiden Amateurastronomen Bruno und Paul kennen, die sich gemeinsam einen 8“ Newton von Meade zugelegt und diesen in Ampass, eine Ortschaft in der Nähe von Innsbruck, fix aufgestellt hatten.

Nun konnte ich meine Leidenschaft endlich mit Gleichgesinnten ausüben.

 

Ich kann mich an das erste Treffen noch ziemlich genau erinnern. Nachdem wir uns einander vorgestellt hatten, durfte ich durch das betriebsbereite „Riesenrohr“ schauen. Den Anblick, der sich mir dabei bot, werde ich nie mehr vergessen.

Das, bei meinem Gerät durch die lange Brennweite und die Plössl-Okulare verursachte kleine Gesichtsfeld, war mit diesem Weitwinkelanblick der Venussichel durch ein Erfle-Okular nicht im Geringsten vergleichbar. Von da an wusste ich, dass auch ich irgendwann ein großes Fernrohr besitzen würde.

 

In den darauf folgenden zwei Jahren befand sich dann das 8“ Meade-Teleskop, wegen der geringeren Entfernung zu Innsbruck, dem dunkleren Himmel und der effizienteren Nutzungsmöglichkeit bei mir zu Hause und Bruno und ich unternahmen die ersten „fotografischen Gehversuche“. Obwohl das Gerät damals zu den besten Fernrohren zählte, hatten wir das eine oder andere kleine Problem mit der Montierung.

 

Ein fix aufgestelltes Teleskop ist im Normalfall nach Norden ausgerichtet und nach allen Richtungen voll austariert. Nachdem auch unser 8-Zöller weitgehend diesen Vorstellungen entsprach, konnten wir uns das, beim Fotografieren plötzlich auftretende Ungleichgewicht des Gesamtsystems nicht erklären.

Mit Logik, wie – hängt man auf der Fernrohrseite einen Fotoapparat dazu, dann muss man auch auf der Gegengewichtseite ein entsprechend großes Gewicht dazugeben, damit das System wieder im Gleichgewicht ist – kamen wir nicht weiter. Auch die von meinem Vater extra für das Austarieren mitgebrachten 25 kg Bleigewichte in den unterschiedlichsten Größen halfen uns dabei nicht.

 

Der 8“ Newton von Meade mit dem damals noch weiß lackierten 4“ Newton von Revue

Auf der Gegengewichtstange ist der mit Bleigewichten gefüllte 10 Liter Eimer zu sehen.

 

Am besten schildere ich euch einen kurzen Auszug aus einer unserer nächtlichen Konversationen. Während Bruno gerade eine Aufnahme nachführte, das heißt, in das Nachführokular blickte und mit dem Handsteuergerät der Fernrohrmotoren versuchte den eingestellten Stern im Fadenkreuz zu halten, stand ich neben ihm und wartete auf eventuelle Anweisungen.

 

Bereits fünf Minuten nachgeführt…

 

Michi: Geht die Nachführung?

Bruno: Ja, geht gut!

Michi: Geht´s immer noch?

Bruno: Ja!

Michi: Geht´s?

Bruno: Mmhm (ja)!

 

Bereits neun Minuten nachgeführt …

 

Bruno: Ich glaube ich muss jetzt in der RA-Achse etwas mehr nachführen als zu Beginn der Aufnahme.

Michi: Aber es geht doch noch, oder?

Bruno: Mmhm (ja)!

 

Das leise Surren der Motoren bei Korrekturbewegungen des Fernrohres, das zu Aufnahmebeginn nur selten zu hören war, ist nun zum Dauergeräusch geworden.

 

Michi: Schon elf Minuten – das wird eine gute Aufnahme- hast du bis jetzt schon einen Nachführfehler gemacht?

Bruno: Nein! Ich glaube die wird super! Uuaah, der Stern wandert aus dem Fadenkreuz - hab ihn schon wieder - doch nicht - schnell gib hinten ein kleines Gewicht drauf….

Michi: Hab ich gemacht!

Bruno: Uuaah, falsche Seite…

Michi: Was falsche Seite – so besser?

Bruno: Ja super - hab ihn wieder. Jetzt lässt sich das Teleskop wieder gut bewegen.

Michi: Du musst mir schon rechtzeitig sagen, wann es nicht mehr geht, dann springe ich sofort vor das Fernrohr und beende die Aufnahme.

Bruno: Alles klar! ……… Der Stern ist weg!?

Michi: Wie bitte???

Bruno: Vor das Fernrohr!!!

Michi: Zu spät es kippt nach hinten weg. Ich bring den sch… Drahtauslöser nicht auf!!!

Welcher Depp hat den zugedreht?

Bruno: Du!

Aber trotz dieser Handikaps haben wir auch einige brauchbare Fotos zusammengebracht. Für damals nicht schlecht oder?

 
NGC 891 im Sternbild Andromeda

 

 

Mit Unterstützung meines Vaters wurde der Traum eines eigenen Fernrohres schneller Realität als angenommen und so konnte ich 1985 einen 10“ RC-Reflektor aus Deutschland erwerben.

Der 10“ Ritchey-Chretien Reflektor

Meiner Unerfahrenheit und damals kindlichen Naivität habe ich es zu verdanken, dass man mich mit bei diesem Kauf reinlegen konnte.

  

Laut Martin, der die Optik mittlerweile seit zwei Jahren testet, sind beide Spiegel nicht vergütet und der Hauptspiegel hat einen ausgeprägten Astigmatismus.

 

Pech, aber irgendwie komme ich doch noch zu meinem großen Fernrohr!

 

Im selben Jahr wurde von uns auch der erste astronomische Verein Innsbruck mit dem Namen BP-Observatory gegründet. Obwohl der Verein in Tirol großen Anklang fand und die Anzahl der Mitglieder monatlich wuchs, hatte meine Ausbildung dennoch Vorrang und so habe ich, abgesehen von ein paar Beobachtungsnächten mit meinem 114mm-Reflektor und einem Abonnement der Zeitschrift Sky & Telescope, in den darauf folgenden 16 Jahren gewissermaßen eine astronomische Pause eingelegt.

 

Vor ca. drei Jahren meldete ich mich nun zurück und musste feststellen, dass aus unserem Verein mittlerweile ein Club – „Der Astrostammtisch“ – geworden war und dass, bis auf eine Ausnahme, eigentlich nur der harte Kern von damals „überlebt“ hat. Aufgrund des enormen Arbeits- und Zeitaufwandes hatte man sich in der Zwischenzeit für eine Auflösung des Vereines entschlossen.

 

Der 16" Newton von LOMO

 

Völlig auf Beobachtungsentzug fieberte ich nach so langer Abwesenheit dem ersten gemeinsamen „Sterne-gucken“ entgegen.

Als es dann endlich soweit war und ich das erste Mal wieder durch ein großes Teleskop blicken durfte, konnte ich mit einer Anschaffung eines Fernrohres nicht mehr länger warten und so habe ich einige Wochen später den 16“ Newton (LOMO) von Bruno gekauft.

 

Nach sehr langer Zeit habe ich es also doch noch geschafft und der Wunsch einer eigenen

16“-Zeitmaschine ist in Erfüllung gegangen.

 

 

 

Dies ist meine Geschichte.

 

 

Liebe Grüße

 

Michi

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